Zur Geschichte der Trinitatiskirche

Lage

Die Notkirche von 1949/50 erhebt sich an der Stelle ihres zerstörten Vorgängerbaus und wendet sich mit Eingangsfront und Turm der Theodor-Neubauer-Straße zu. Mit der Rückfront berührt sie den Lieselotte-Hermann-Park, der einst zur Villa des Leipziger Maschinenfabrikanten Karl Krause gehörte.

 

Geschichte

Am 07.April 1889 wurde Anger-Crottendorf selbständiger Bezirk der Parochie Schönefeld. Der Gottesdienst fand zunächst im Betsaal der damaligen II. Bezirksschule in der Martinstraße statt. 1885 hatte Anger-Crottendorf mit Neusellerhausen 6236 evangelisch-lutherische Einwohner. Seit dem 01.Januar 1889 bildete das Dorf einen Stadtteil von Leipzig. Am 05.Februar 1890 kam es zur Gründung eines Kirchenbauvereins. Vorerst wurde nach den Plänen des Leipziger Architekten Paul Lange eine Interimskirche als kreuzförmiger Fachwerkbau errichtet und diese am 27.September 1891 eingeweiht. 1890 gehörten zum Pfarrbezirk 10318 Gemeindeglieder Am 01.Juni 1892 wurde die Gemeinde selbständig. 1895 erhielt die Kirche den Namen Trinitatiskirche. Der seit 1913 angestrebte Neubau einer Kirche mit Gemeindezentrum durchschritt bis in die dreißiger Jahre mehrere Planungsstufen, kam aber nicht zur Ausführung. Als Architekten erscheinen Raymund Brachmann und zuletzt auch Georg Staufert. Am 04.Dezember 1943 wurde der "Holzdom" durch einen Luftangriff zerstört.    

Die alte TrinitatiskircheDie alte Trinitatiskirche (1891-1943)

Die neue TrinitatiskircheDie neue Trinitatiskirche vor...

...nach der Sanierung 2010
...und nach der Sanierung 2010

    1948 begannen Verhandlungen um einen Neubau, der 1949 begonnen wurde. Am 04.Juni 1950 (Sonntag Trinitatis) konnte die Kirche eingeweiht werden. Der Entwurf stammte von Otto Bartning (Neckarsteinach bei Heidelberg). Die Kirche ist eine der 43 Notkirchen, die nach dem Krieg als Typenprojekte nach Entwurf von Bartning zum Ersatz für kriegszerstörte Bauten in deutschen Großstädten auf Initiative des Hilfswerkes der Evangelischen Kirche in Deutschland errichtet wurden. Die typisierten Bauteile wurden vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf gestiftet. Nach einer Aufstellung des mit der Bauausführung beauftragten Leipziger Architekten Hans Degelmann handelte es sich dabei um folgende Bauteile: a) das gesamte Tragwerk mit den Eisenteilen, b) die Dachtafeln, die zugleich Isolierungen und innere Holzdecke bilden, und die Dachdeckung, c) das gesamte Gestühl, d) Gebälk und Abdeckung über den gemauerten Anbauteilen e) alle Türen und Fenster mit Beschlag, f) die Empore mit einer beweglichen Wand zwischen Gemeindesaal und Kirche. Die Ziegel für das Mauerwerk wurden aus den Trümmern der zerstörten Interimskirche, der Johannis- sowie der Matthäikirche gewonnen. Insgesamt vermauerte man 250000 Ziegelsteine.

 

Beschreibung

Die Trinitatiskirche ist eine Notkirche Typ B. Es handelt sich um eine Holzkonstruktion bestehend aus neun Dreigelenkbogenbindern in genagelter Vollwandform mit 11,50 m Stützweite und 11.25 m Höhe. In Anger-Crottendorf ergibt sich durch die Aufstellung von sieben Doppelbindern im Schiff und vier halben Bindern im Altarbereich eine Saalkirche mit 5/8 Schluß. Die Gesamtlänge beträgt 27 m, die Gesamthöhe 12,2 m. Die Fensterzone liegt unmittelbar unterhalb des Dachansatzes und umzieht als Lichtband den Raum. Ein niedriger Anbau links der Eingangsfront und ein 24,5 m hoher Eckturm auf der rechten Seite ergänzen den vorgegebenen Bautyp.

 

Text und Fotos: Helfried Maas